Weevil News
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No.
17 |
6
pp. |
20th
February 2004 |
ISSN 1615-3472
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Stüben
P.E. (2004):
Zucht von Calacalles
droueti (Crotch 1867) von den Azoren (Coleoptera:
Curculionidae: Cryptorhynchinae)-
Weevil News: http://www.curci.de/Inhalt.html,
No. 17: 6 pp., CURCULIO-Institute: Mönchengladbach. (ISSN 1615-3472). |
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Zucht
von Calacalles droueti (Crotch 1867) von den Azoren
(Coleoptera:
Curculionidae: Cryptorhynchinae)
von
Peter Stüben, Mönchengladbach
mit
16 Farbtafeln
Abstract
Breeding of Calacalles
droueti (Crotch 1867) from the Azores (Coleoptera: Curculionidae:
Cryptorhynchinae).
The endemic Azorean
weevil species Calacalles droueti (Crotch 1867) (Pico) is bred
from a branch of its host plant, Euphorbia stygiana Wats. Taking
into account the habitat situation on the Azores (f.e. high precipitation), the
biotic and abiotic factors and the methodical conditions of this breeding, that
lasted for 4 months, are demonstrated. On 16 colour plates, all phases of
development are shown. Finally, some generally valid
hypothesis for the breeding of flightless Cryptorhynchinae are put forward.
Keywords
Coleoptera, Curculionidae,
Cryptorhynchinae, Calacalles droueti, biology, ecology, breeding,
host plant, Euphorbia stygiana, Azores.
Zusammenfassung
Calacalles droueti (Crotch 1867) von den Azoren (Pico)
wurde in einem Zweig der Entwicklungspflanze Euphorbia stygiana Wats. gezüchtet.
Ausgehend von den Biotopbedingungen auf den Azoren (z.B. hohe Niederschläge)
werden die biotischen und abiotischen Faktoren bzw. methodischen Voraussetzungen
dieser über einen Zeitraum von 4 Monaten erfolgten Zucht vorgestellt. Anhand
von 16 Farbtafeln werden alle Phasen der Entwicklung und der Zucht dargestellt.
In einer abschließenden Diskussion werden
Arbeitsthesen für weitere Zuchten flugunfähiger Cryptorhynchinae
aufgestellt.
Ausführlich habe ich in meinen Publikationen aus dem Jahr 2003 über die
Wiederentdeckung von Calacalles droueti
(Crotch 1867) nach über 130 Jahren auf den Azoren-Inseln Pico und Faial
berichtet. [Stüben 2003b][Stüben 2003c] Schon in diesen Veröffentlichungen
machte ich darauf aufmerksam, dass ich an einem mitgeführten Euphorbia
stygiana-Zweig eine Nachzucht versuchen wolle, um noch tiefere Einblicke in
die Biologie und Ökologie der Art zu erhalten. Diese im Januar/Februar 2004
erfolgreich abgeschlossene, aber auch schwierige endophytische Nachzucht möchte
ich hier vorstellen. Eine Redeskription von Calacalles droueti und die
erstmalige Beschreibung der Larven und Puppen dieser azorischen Laurisilva-Art
erfolgt im SNUDEBILLER 5 (Nov. 2004).
In meiner Beschreibung
und Analyse der ersten Nachzucht einer Cryptorhynchinae, hier von Kyklioacalles
euphorbiophilus Stüben 2003 [Stüben 2003d][Stüben 2003e], fasste ich
meine Ergebnisse in drei Thesen zusammen:
1.
Nur im Absterben begriffene Pflanzen
werden zur Eiablage von Cryptorhynchinae aufgesucht. Alle auf den
makaronesischen Inseln gemachten Erfahrungen zeigen deutlich,
dass die Cryptorhynchinae zu den allerersten Besiedlern nur solcher (z.B.
durch Windbruch eingeleitet) im Absterben
begriffener Pflanzen zählen. [Stüben 2000b][Stüben 2000j][Stüben
2000][Sprick & Stüben 2000]. Erst viel später folgen Cossoninae (z.
B. Mesites [Fig.
280.Z16], Cossonus, Phloeophagus).
Daher sollten Stresspflanzen oder sogar frische Pflanzenteile ausreichen,
erfolgreiche Nachzuchten einzuleiten. Wichtig ist, dass
die Nachführung toxischer Pflanzeninhaltsstoffe - wie bei den Euphorbiaceae -
bereits weitgehend unterbunden wurde!
2.
Cryptorhynchinae-Larven scheinen äußerst ausdauernd und
"genügsam" zu sein. Selbst wochenlange Austrocknungen des
Entwicklungssubstrates sollten die meisten Cryptorhynchinae unbeschadet überstehen.
Daher sollte das gesamte Entwicklungssubstrat relativ trocken gehalten werden
und für eine ausreichende Drainage gesorgt werden!
3.
Nach dem Schlüpfen bleiben die Imagines oft noch Wochen,
wenn nicht Monate, in der Puppenwiege. Erst mit den ersten Niederschlägen
im Herbst und/oder Winter und dem Aufweichen des Materials
befreien sich die Tiere aus ihrem Entwicklungssubstrat. [Stüben 2000e]
Daher sollten in regelmäßigen Abständen Zweige und Wurzelteile aufgeschnitten
werden, um den Stand der Metamorphose dokumentieren zu können!
Vor diesem ersten
Erfahrungshintergrund stellte ich am 2. September 2003 einen etwa zwei
Wochen alten, nicht befallenen, 32 cm langen und 2,8 cm dicken Euphorbia
stygiana-Zweig mit noch im Absterben begriffenem Blattwerk [Fig.
280.Z1] von der Azoren-Insel Pico ins Insektarium des
CURCULIO-Instituts, Mönchengladbach. Die
Raum-Temperatur im Insektarium betrug bis Ende Januar 20-24 °Celsius (nachts
17-18 °Celsius). In das unter- und oberseitig gut belüftete Glas-Insektarium
mit den Maßen 30 cm x 30 cm x 40 cm (Länge x Breite x Höhe) wurde 3 cm
hoch Sand eingebracht, den ich leicht andrückte, aber
nicht bewässerte. Alle zwei Tage wurde
der zunächst aufrecht gestellte Pflanzenzweig kräftig von oben besprüht.
[Fig. 280.Z2] Ich setzte
noch am gleichen Tag 8 MM und 8 FF von Acalles droueti
dazu. Fundort:
"Portugal, Azoren: Pico, Pico da Urze, Euphorbia stygiana,
811 m, N38°27'21" W28°21'04",
19.8.2003, leg. Stüben (Nr. 25)".
Die Tiere bestiegen
noch in der gleichen Nacht den ihnen als Entwicklungspflanze angebotenen Zweig
von Euphorbia stygiana und zogen sich tagsüber unter das bereits
abgefallene Laubwerk und das im Absterben begriffene, herabhängende Blattwerk
zurück. Besonders am sich bereits schwarz
färbenden Blattansatz des noch zum Teil grünen Zweigs nahmen die
Tiere ihre Fraßtätigkeit auf. [Fig.
280.Z7] Dabei mieden sie jedoch den noch grünen, Milchsaft führenden
Zweig; ausschließlich bereits abgestorbenes, genauer: im Absterben
begriffenes Pflanzensubstrat wurde gefressen.
Täglich wurde der Entwicklungszweig
kräftig besprüht, um den auf den Azoren hohen Niederschlägen (Pico: Sept.
89,6 mm, Okt. 129,6 mm) und der Luftfeuchtigkeit (Pico: Sept. 87,4%, Okt. 89,8%)
Rechnung zu tragen. Nach solchen Besprühungen waren die
Tiere nachts besonders aktiv.
Am 8.9.2003
konnten Tiere bei der Kopulation auf dem Blattstängel und dem Hauptzweig
beobachtet werden (nach heftiger Besprühung). Am 3.10.2003 (24.00 Uhr)
beobachtete ich erneut zahlreiche Kopulationen. Die Tiere sind extrem nachtaktiv
und kommen erst nach 23.00 Uhr (oft noch später) aus ihren Verstecken!
Erste Visite (6.11.2003)
Bei meinen
ersten genaueren Untersuchungen der Pflanzenteile konnte ich zu meiner Überraschung
Lochfraßspuren am unteren feuchten Stammsegment, das dem Sandboden aufsaß, und
am oberen Blattzweig beobachten. [Fig.
280.Z3] Tatsächlich waren nur die feuchten Teile des
Zweig-Stammsegmentes befressen worden. Einige Teile des mittleren
Zweig-Stamm-Segmentes wurden entfernt. Sie waren „steinhart“ und ohne
Larvenbefall! Schließlich wurden die Lochfraßflecken am unteren Stammsegment
genauer untersucht: Hier konnte am untersten feuchten Teil des Stammes die äußerste
Rinde eingestochen bzw. abgehoben werden. Darunter befand sich ein Larve
(3,5 x 1 mm), die photographiert und in Alkohol für spätere
Untersuchungen überführt wurde. [Fig.
280.Z4] Offensichtlich wird die für die Eiablage günstigste Stelle
zunächst mittels Lochfraß getestet (nicht zu feucht / Pilzgefahr! - nicht zu
hart / keine Entwicklungsmöglichkeit!) und
dann werden die Eier in diese Löcher abgelegt. Die Larve befand sich
zwischen der feinen Deckrinde und dem harten, völlig ausgetrockneten Splintholz
[Fig. 280.Z5]. Dieser
schmale Zwischenraum war feucht und enthielt die dunkelbraunen Ausscheidungen
der Larve.
Bei dieser ersten
Visite zählte ich von den eingebrachten 16 nur noch 8 Exemplare;
erst viel später sollte ich die restlichen tief verborgen in den
inzwischen ausgehöhlten Zweigen von Euphorbia stygiana entdecken. Während
der gesamten 4 Monate, die die Nachzucht in Anspruch nahm, sind nur 4 Exemplare
tot aufgefunden worden. Daher kann ich auch an dieser Stelle über die
Lebensdauer der Adultis noch keine näheren Angaben machen.
Zweite Visite (8.12.2003)
Da ich Ende November
des Nachts praktisch keine Aktivitäten mehr auf dem Euphorbia stygiana-Zweig
mehr feststellen konnte (obwohl die Besprühungsdichte - alle 2 Tage - aufrecht
erhalten wurde), legte ich auf den Sandboden Sphagnum, das ich relativ
feucht hielt, und stellte den Zweig zunächst senkrecht in die Sphagnum-Polster.
[Fig. 280.Z2] Auch auf
den Azoren wächst Euphorbia stygiana fast immer in mächtigen Sphagnum-Auflagen,
die über 1 m hoch werden können. [Fig.
280.Z6] Schon in der Nacht darauf wurden Tiere auf den abgefallenen
Blättern gesehen, von denen sie die feuchtesten Blätter auf den Sphagnum-Polstern
kräftig befressen haben.
Der untere, ab dem 24.
November im Sphagnum stehende Teil des Euphorbia stygiana-Zweiges
war äußerlich etwas morsch geworden. Die Rinde konnte hier leicht abgezogen
werden. Unterhalb der pergamentartigen Rinde war bis zum harten Kernholz alles
von Larven zerfressen (typischer Raspelspäne-Fraß). [Fig.
280.Z8] Zwei weitere Larven (2. Larvenstadium, 4 mm) wurden entdeckt.
Ebenfalls wurde in dem härteren
Splintholzkern-Bereich ein schräg einlaufendes Larveneinstiegsloch ausgemacht.
Werden die Larven größer, verlassen sie die Rindenunterseite
und ziehen sich in die harte und trockenere Kernholz-Zone zurück. Ein
erstes Indiz dafür, dass das 3. Larvenstadium im harten Splintholz abläuft. [Fig.
280.Z9]
Alle von mir
entdeckten Larven befanden sich ausnahmslos im feuchteren Bereich des Zweiges.
Um auch solchen Larven eine Chance zu geben, sich weiter zu entwickeln, wurde
der Zweig jetzt auf das Sphagnum gelegt, um Larven aus allen
Zweigsegmenten die Möglichkeit zu geben, sich in dem unteren, feuchteren Sektor
(Auflagefläche) zurückzuziehen! Weitere Besprühungen folgten jetzt
in eintägigen Abständen.
Dritte Visite (14.1.2004)
Am 14.1.2004 entdeckte
ich des Nachts ein „frisches Exemplar“ von Calacalles droueti auf
einem abgestorbenen, feuchten Blatt. Im unteren
feuchten Zweigsegment konnte ich ein Schlupfloch (Æ
2,35 mm) ausfindig machen. [Fig.
280.Z10] Sehr schön ist auf den Abbildungen nun zu erkennen, dass
die Larve sich zunächst unter der pergamentartigen Rinde entwickelte (Raspelspäne),
dann ins Kernholz vordringt, hier die Verpuppung erfolgt und
die fertige Imago im gleichen Bereich des Stammsegmentes schlüpfte. [Fig.
280.Z11] Im eigentlichen Splintholz des feuchten Stammsegments, das während
der beiden letzten Monate in einem Sphagnum-Polster
stand, wurde eine weitere Larve (im 3. Larvenstadium: 7,4 mm x 1,9 mm; in
Alkohol überführt) entdeckt.
Um 13.00 Uhr am
14.1.2004 war es dann soweit: Im feuchten Stammsegment-Bereich fand ich knapp 4
Monate nach der "Besetzung" die erste, noch
nicht völlig ausgefärbte Imago in ihrer Puppenwiege, die tief im ausgehärteten
Splintholz saß. [Fig. 280.Z12]
Ein zweites, völlig ausgefärbtes
Exemplar konnte ich ebenfalls 3 cm oberhalb der ersten Fundstelle, aber immer
noch im feuchten Stammsegment, nach Entfernung der Rinde und der ersten 3 mm
Splintholz beim Verlassen der Puppenwiege beobachten! [Fig.
280.Z13]
Ferner wurde im
Anschluss daran noch der Blattzweig untersucht: Hier fanden sich keine Larven!
In den oberen trockenen, endständigen Verzweigungen
lag auch jetzt noch kein Befall mit Larven vor. Jedoch waren hier die Zweige
aufgrund des Trocknungsprozesses hohl geworden. In diesen hohlen, aber im
Inneren feuchten Zweigen fanden sich 15 Adultis wieder; darunter nur 2
„frische Exemplare“, die in den letzten Tagen geschlüpft waren. Diese
Exemplare wurden abgetötet, da mir auch diesmal wieder keine geeigneten Fraßpflanzen
vorlagen.
Der von seinen Zweigen
und Blättern getrennte Hauptzweig wurde jetzt wieder ins Insektarium zurückgelegt,
um den Zeitpunkt des selbstständigen Schlüpfens
ermitteln zu können und natürlich den Verpuppungszeitraum zu erfassen. Aus
Feldforschungen (nicht zuletzt auf den Azoren) und Zuchten ist mir bekannt, dass
Puppen der Cryptorhynchinae nur sehr selten gefunden
werden, das Puppenstadium also nur sehr kurz sein kann.
Vierte Visite (7.2.2004)
Bei der
letzten Visite am 7.2.2004 - also 5 Monate nach der „Besetzung“ - fanden
sich im ca. 15 cm langen Rest-Stamm nur noch 8 Larven in allen
Entwicklungsstadien und im harten Splintholz drei noch in ihren Puppenwiegen
befindliche völlig ausgehärtete Imagines. Puppen konnten nicht mehr gefunden
werden. Doch möchte ich den Entwicklungszyklus nicht ohne die Abbildung einer
Puppe von Calacalles droueti abschließen, die ich von den Azoren (Pico)
mitgebracht habe: [Fig.
280.Z14].
Leider musste zu
diesem Zeitpunkt die Zucht mangels geeigneten Ausgangsmaterials
(Fraß- und Entwicklungspflanze) abgebrochen werden, so dass auch der
Zeitpunkt des selbstständigen Schlüpfens
(das Verlassen der Puppenwiege) nicht mehr beobachtet werden konnte. (Siehe dazu
am Ende des Beitrags: „Anmerkung zu These 2 und 4“).
Diskussion
Diese meines Wissens
zweite erfolgreiche Zucht einer flugunfähigen Cryptorhynchinae, hier einer Calacalles-Art
von den Azoren, könnte erste Anhaltspunkte für weitere, weitgehend
standardisierte Nachzuchten liefern. Ich ergänze und korrigiere daher meine
oben genannten drei Thesen aus meinen Veröffentlichungen des Jahres 2003 [Stüben
2003d][Stüben 2003e]:
4.
Die These 2, dass Cryptorhynchinae-Larven äußerst ausdauernd
und „trockenresistent“ sind, dürfte nur für das letzte Larvenstadium im
vollem Umfang zutreffen. „Genügend Feuchtigkeit“ scheint in den ersten
beiden Larvalstadien der entscheidende Parameter für eine erfolgreiche
Entwicklung zu sein. Dabei darf man die Erfahrungen mit der Azorenart Calacalles
droueti natürlich nicht überbewerten.
Auf den Zentralinseln Faial und Pico fallen jährlich ca. 1100 - 1200 mm
Niederschlag! Andererseits vertragen Cryptorhynchinae-Larven im letzten
Entwicklungsstadium praktisch keinen Feuchtigkeitseintrag mehr. So wurden fast
alle Larven im letzten Stadium von Kyklioacalles bupleuri (SNUDEBILLER 5
/ Nov. 2004) in den Stamm- und Wurzelsegmenten von Bupleurum spinosum aus
Tunesien verloren, weil sie von mir zu heftig besprüht/begossen wurden. Sind
die Larven im letzten Larvenstadium, vertragen sie offensichtlich keinerlei
Feuchtigkeit mehr und fühlen sich im völlig ausgetrockenen, „steinharten“
Splintholz am Wohlsten.
5.
Die üblichen Serien-Zuchten (z.B.
in vielen Petrischalen) sind unbedingt zu vermeiden (und waren bisher
ergebnislos). Cryptorhynchinae-Zuchten sollten in geräumigen Insektarien
ablaufen, und der eingebrachte dickstämmige Zweig, Ast oder Wurzelhals sollte
in verschiedene Feuchtigkeitssektoren eingeteilt und
in diesem Sinne markiert werden. Nur dann sind bei genauer Beobachtung die
Entwicklung und das Verhalten (und ggf. das Abwandern in andere Sektoren!) der
Larven zu studieren; darüber hinaus sind dann immer noch rechtzeitig
Korrekturen/Eingriffe möglich. Verhaltensforschung hat in diesem Zusammenhang
nichts mit experimenteller Forschung „in vitro“ zu tun! „Try and error“
müssen - alternierend - in einem einzigen Zuchtansatz „in vivo“ möglich
sein. Nur dies garantiert einen fragend-forschenden Lernprozess.
6.
Bei den Cryptorhynchinae handelt es sich bekanntlich um endophytische
Holz- und Wurzelbohrer. Die Larvalentwicklung geschieht also unter „Ausschluss
der Öffentlichkeit“. Deshalb sind regelmäßige Visiten (das
Aufbrechen von Zweigen und Ästen) notwendig, führen aber notwendigerweise zur
Verminderung des Pflanzensubstrats (siehe „4. Visite“). Ein Ausweg aus
diesem Dilemma könnte die Simultan-Zucht in zwei identischen Insektarien sein.
Versuche in diese Richtung laufen zur Zeit im CURCULIO-Institut. Erste
verwertbare Ergebnisse werden für 2005 erwartet.
Anmerkung
zu These 2 und 4:
Bereits
am 6.11.2003 waren in den mitgebrachten Euphorbia stygiana-Zweigen
(Fundort 21 = Portugal, Azoren: Pico, near "EN3" (main road),
Euphorbia stygiana, 841 m, N38°29'15"
W28°20'47", 18.8.2003, leg. Stüben) aus Larven des letzten Larvalstadiums
etwa 20 Adultis hervorgegangen. [Fig.
280.Z15] Am 15.11.2003 habe
ich die letzten 16 Exemplare (13MM+3FF+3 Larven) von Fundort 21
aus weiteren mitgebrachten Euphorbia stygiana Zweigen
herausgebrochen, die ich ebenfalls „achtlos“ in einem Leinensäckchen auf
dem Boden meines Arbeitszimmer liegend „vergessen“ hatte. Obwohl das
Pflanzensubstrat „steinhart“ war, wurde nicht eine einzige abgestorbene
Larve oder Puppe entdeckt. In den Puppenwiegen befanden sich „frische“, aber
bereits völlig ausgefärbte Exemplare von Calacalles droueti (etwa 10
Ex. wurden an Ch. Germann/Bern weitergereicht). Die Imagines haben sicherlich
schon Wochen in ihren Puppenwiegen „regungslos“ verharrt. Dies berechtigt zu
der Annahme, dass der Entwicklungszyklus von Calacalles droueti auf den
Azoren spätestens Mitte-Ende Oktober abgeschlossen sein dürfte (stellt man die
etwas niedrigeren Temperaturen auf den Azoren in Rechnung!). Wieder scheint mir
nur die Hypothese nahe liegend, dass sich die Tiere
erst mit den zunehmenden Niederschlägen im Herbst und dem Aufweichen des
Materials aus ihrem Entwicklungssubstrat
befreien können. Zwischen Mai und August liegt die Regenfallmenge auf den
Zentralinseln der Azoren zwischen 49,0 mm (Juni) und 37,8 mm (Juli); sie
verdoppelt sich erst im September und verdreifacht sich im Oktober auf Pico!
Literatur
Stüben, P.E. (2003b):
The Rediscovery of Acalles droueti Crotch 1867 and Curculionoidea
collected on an excursion on the Azores: A Report. (Coleoptera: Curculionidae:
Cryptorhynchinae) - Weevil News: http://www.curci.de/Inhalt.html,
No. 16: 10 pp., CURCULIO-Institute: Mönchengladbach. (ISSN
1615-3472).
Stüben, P.E.
(2003c): Die Wiederentdeckung von Acalles
droueti Crotch 1867 und die Curculionoidea-Beifänge von einer Exkursion auf
die Azoren: Ein Report. (Coleoptera: Curculionidae: Cryptorhynchinae) - COLEO: http://coleo.de/2003/Droueti/Droueti.html,
Nr. 4: S. 17-32, (ISSN 1616-3281).
Stüben P.E.
(2003d): Breeding of Kyklioacalles
euphorbiophilus Stüben 2003 (Coleoptera: Curculionidae: Cryptorhynchinae)-
Weevil News: http://www.curci.de/Inhalt.html,
No. 15: 6 pp., CURCULIO-Institute: Mönchengladbach. (ISSN 1615-3472).
Stüben, P.E.
(2003e): Zucht von Kyklioacalles
euphorbiophilus Stüben 2003 (Coleoptera: Curculionidae: Cryptorhynchinae) -
COLEO: http://coleo.de/2003/Kyklio/KyklioZucht.html,
Nr. 4: S. 7-16, (ISSN 1616-3281).
Anschrift des Autors:
Dr. Peter E. Stüben
CURCULIO-Institute
Hauweg 62, D- 41066 Mönchengladbach,
Germany
E-Mail:
P.Stueben@t-online.de